

Nikolai Medtner (Nikolai Karlovich Medtner), geboren am 5. Januar 1880 in Moskau (24. Dezember 1879 julianisch), war ein russischer Komponist und Pianist – ein Meister der Spätromantik, der trotz Emigration und langer Vergessenheit als einer der bedeutendsten russischen Klavierkomponisten des 20. Jahrhunderts gilt.Aus einer musikalisch gebildeten Familie (deutsche Wurzeln) studierte er am Moskauer Konservatorium bei Sergei Taneev (Komposition) und Vasily Safonov (Klavier). 1900 gewann er den Anton-Rubinstein-Wettbewerb in Wien. Er war ein enger Freund von Sergei Rachmaninoff (der ihm sein 4. Klavierkonzert widmete), lehnte aber modernistischen Trends ab und blieb ein Traditionalist: strenge Formen (Sonaten, Variationen, Rondos), kontrapunktische Dichte, reiche Harmonik und thematische Einheit – beeinflusst von Beethoven, Brahms und russischer Folklore.Sein Œuvre umfasst fast ausschließlich Klaviermusik: 14 Klaversonaten (darunter die monumentale „Sonata reminiscenza“ op. 38 Nr. 1), 3 Klavierkonzerte (Nr. 2 in c-Moll op. 50 Rachmaninoff gewidmet), 38 Märchen(Skazki/Fairy Tales) – poetische Miniaturen, ein Klavierquintett, 3 Violinsonaten, 2 Werke für zwei Klaviere, 108 Lieder und Vokalisen.Nach der Oktoberrevolution emigrierte er 1921 über Berlin und Paris nach London (ab 1936), wo er bis zu seinem Tod lebte. Er heiratete Anna, die Frau seines Bruders Emil (nach dessen Tod). Finanziell unterstützt von Mäzenen (u. a. dem Maharadscha von Mysore), nahm er in den 1940er Jahren wegweisende Aufnahmen seiner Werke auf.Medtner starb am 13. November 1951 in Golders Green, London (71-jährig). Nach 25 Jahren relativer Vergessenheit erlebt seine Musik seit den 1970er/80er Jahren eine Renaissance – geschätzt für ihre intellektuelle Tiefe, Virtuosität und emotionale Kraft.