
Sehr geehrte Teilnehmerin, sehr geehrter Teilnehmer, wir freuen uns, Sie zu unserem Lied-Wettbewerb in der Europastadt Görlitz-Zgorzelec begrüßen zu dürfen. Görlitz-Zgorzelec ist eine besondere Stadt: Einerseits ist sie binational (eine Hälfte gehört zu Deutschland, die andere zu Polen), andererseits zählt sie zu den architektonisch spannendsten Städten Deutschlands. Fast die gesamte Stadt hat ihre ursprüngliche Struktur bewahrt und präsentiert Schätze aus allen Epochen, darunter Renaissance, Barock, Klassik und Gründerzeit (die industrielle Blütezeit des späten 19. Jahrhunderts). Gerade um diese Zeit, der Jahrhundertwende, zeigte unsere Stadt eine besonders lebendige Kulturszene. In der gesamten Region bildeten sich Gesangsvereine, die sich jährlich zu Festivals trafen. Die Schlesischen Musikfeste sind vielleicht die ältesten Festivals Europas (gegründet 1830). Der Diplomat und Komponist Bolko von Hochberg, (geboren im berühmten Schloss Fürstenstein, heute Zamek Książ in Polen), kehrte nach seiner Indentanz am Königlichen Schauspielhaus in Berlin in seine schlesische Heimat zurück und widmete sich den Schlesischen Musikfesten, die 1876 unter seiner Leitung erstmals in Jelenia Góra stattfanden. Er entwickelte dieses Festival zu einem der bedeutendsten Europas. 1910 ließ er zu diesem Zweck die Görlitzer Stadthalle erbauen, einen der schönsten Konzertsäle mit einer herausragenden Akustik. Doch 1914 brach der Erste Weltkrieg aus. Eine dunkle Zeit begann in Europa, und ein zweiter furchtbarer Weltkrieg veränderte das Gesicht der Region für immer. Während Görlitz vor dem Krieg zu Preußen gehörte und eine bedeutende jüdische Gemeinde hatte, ist es heute zwischen Polen und Deutschland aufgeteilt. Die jüdische Gemeinde existiert leider nicht mehr. Nur die prächtigen Denkmäler, die Synagoge, das Kaufhaus und die Stadthalle erinnern an jene aufregende Zeit.
Ich möchte darauf aufbauen und uns, die jüngere Generation, an diese Blütezeit erinnern, damit wir daraus Inspiration für eine bessere Zukunft schöpfen, um mit unserer Kunst das Gespenst des Krieges zu vertreiben. Heute befinden wir uns im Herzen Europas, an der Brücke zwischen Ost und West. Hier möchte ich Sie, die Botschafter der Kultur, einladen, mit unserem Gesang nicht nur das europäische, sondern auch das musikalische Erbe der ganzen Welt zu feiern.
Die dritte Ausgabe des Wettbewerbs wird von der Europäischen Union mitfinanziert. Der Fond INTERREG-Polen-Sachsen fördert gemeinsame Projekte zwischen Polen und Sachsen und ermöglicht es uns, unser gemeinsames Kulturerbe zu entdecken und uns über den Kulturtourismus besser kennenzulernen. Wir heißen Kulturbegeisterte und Musiker aus Polen, Deutschland und ganz Europa herzlich willkommen.

Bolko von Hochberg: Die Geschichte hinter dem Wettbewerb
Wir haben dieses europäische Festival 2021 (pandemiebedigt 2022) mit der Vision ins Leben gerufen, es als Kulturfest zu etablieren, welches Polen, Deutschland und Europa verbindet. Die Vision war und ist es immer noch, dieses "Fest" in Zukunft in der renovierten Stadthalle zu veranstalten. Nicht umsonst sind Orpheus und Eurydike auf dem Giebel dieses Konzerthauses dargestellt.
Die erste Ausgabe des Wettbewerbs im Jahre 2022 stand ganz im Zeichen des Themas „Hellas“, inspiriert von der altgriechischen Kultur. Görlitz-Zgorzelec ist reich an neoklassizistischer Architektur und beherbergt seit 100 Jahren eine griechische Gemeinde, zu der auch meine Familie gehörte. Das Repertoire 2022 umfasste Lieder von Schubert, Brahms, Ravel bis Jean Coultard und Nowowiejski. 2024 fand die zweite Ausgabe in der Stadthalle unter dem Motto „Orpheus: Geist der Renaissance“ statt. Die Teilnehmer sangen Lieder nach der Lyrik großer Dichter der europäischen Renaissance und des Barock, darunter Shakespeare, Petrarca, Corneille und Metastasio.
Nun begeben wir uns auf eine weitere Reise durch das Weltkulturerbe des Liedes und erkunden den Gesang Gottes und die Lieder der Völker dieser Erde. Neben amerikanischen Spirituals und Volksliedern von Brahms, Britten, Ravel und vielen anderen großen Komponisten, umfasst unser Repertoire auch eine neue Komposition: die „Drei Schlesischen Geistlichen Lieder“ des niederländischen Komponisten Hans Leenders, der sie eigens für diesen Wettbewerb geschrieben hat.
Wir planen zwei weitere Ausgaben: eine im Schubertjahr 2028 und eine weitere zur Wiedereröffnung der Görlitzer Stadthalle im Jahr 2030. Die Stadthalle wird derzeit umfassend renoviert, und wir hoffen, dass Europa dann genauso neu und festlich strahlt.
Wir wünschen allen Teilnehmern des Wettbewerbs viel Freude bei ihren Vorbereitungen. Der Wettbewerb bietet talentierten Musikern eine Plattform, um ihre Leidenschaft für den Gesang zu zeigen und gleichgesinnte Künstler und Jury in unserer schönen Stadt zu begegnen. Wir sind überzeugt, dass es für uns alle wieder ein unvergessliches Erlebnis wird und eure künstlerischen Laufbahnen fördert.
Lassen wir uns vom Gesang und von Görlitz inspirieren!
Eleni Müller
Görlitz, Januar 2026
Erster Lied Wettbewerb "Bolko von Hochberg" 2022

HELLAS
Das Repertoire der ersten Ausgabe des Wettbewerbs im Jahr 2022 war Werken gewidmet, die von der griechischen klassischen Kultur inspiriert waren. Dazu gehörten Lieder von Franz Schubert, Brahms, Walf, Gounod, Debussy, Nowowiejski, Maurice Ravel bis Hermann Reutter und Jean Coultard. Das vollständige Repertoire finden Sie hier.

ORTE | SPONSOREN
Die erste Runde fand in der Oberlausitzer Ruhmeshalle statt, die heute das Kulturzentrum (Dom Kultury) in Zgorzelec, Polen, beherbergt. Halbfinale und Finale wurden im prachtvollen Gerhart-Hauptmann-Theater in Görlitz ausgetragen. Zu den Sponsoren zählten die Gemeinde Ottobrunn bei München, die Stadt Görlitz, die Stiftung und Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien, das Kaufhaus Görlitz, die Klaviermanufaktur Bechstein und das Hotel Via Regia in Görlitz.

JURY
Die erste Ausgabe des Wettbewerbes vereinte Koryphäen der Musikwelt aus Sachsen, Polen und Griechenland: Prof. Britta Schwarz, Prof. Alexander Schmalcz, Alexandros Charkiolakis, Prof. Ewa Biegas, Bartosz Żurakowski, Ulrich Kern und die Initiatorin Eleni Ioannidou.

PREISTRÄGER
Die Preise gingen an Vassia Alati (Sopran) & Yuto Kiguchi (Griechenland-Niederlanden, Japan) Erster Preis, Benjamin Sattlecker (Bariton) & Alexandra Helldorff (Österreich, Österreich-Russland) Zweiter Preis, Remy Burnens (Tenor) & Clémence Hirt (Schweiz) Dritter Preis, Preis für den besten Pianisten: Yuto Kiguchi. Sonderpreise: Annie Fassea & Dimitra Kokkinopoulou, Vincent Kusters & Charlie Bo Meijering, Jan Bukowski & Eukyeong Kim sowie Kamila Goik & Malgorzata Wilga.
Zweiter Lied Wettbewerb "Bolko von Hochberg" 2024

ORPHEUS, GEIST DER RENAISSANCE
Das Repertoire der zweiter Ausgabe des Wettbewerbs im Jahr 2024 war von der Renaissance inspiriert. Der Sänger Orpheus, der mit seiner Lyra und Gesang selbst den Herrscher der Totenwelt berühren konnte, war die Idee der Wiedergeburt des Liedgesanges in Italien des Renaissance. Dichter wie Petrarca, Lope die Vega, Shakespeare, Corneille oder Metastasio inspirierten Komponisten wie Liszt, Schubert, Rossini, Beethoven, Wolf oder Strauss.

JURY
Die zweite Ausgabe des Wettbewerbes vereinte Koryphäen der Musikwelt aus Sachsen, Polen und Griechenland: Prof. Britta Schwarz, Prof. Alexander Schmalcz, Alexandros Charkiolakis, Prof. Ewa Biegas, Bartosz Żurakowski, Victor Medem und die Initiatorin Eleni Ioannidou.

ORTE | SPONSOREN
Die erste Runde fand in der Oberlausitzer Ruhmeshalle statt, die heute das Kulturzentrum (Dom Kultury) in Zgorzelec, Polen, beherbergt. Halbfinale und Finale wurden in der sanierungsbedürftigen Stadthalle Görlitz ausgetragen. Zu den Sponsoren zählten die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, die Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien, das Kaufhaus Görlitz, das Sächsische Staatsministerium des Innern, das Hotel Via Regia, Bechstein. Das Projekt war auch Gewinner des Wettbewerbes für Vereine der Östlichen Oberlausitz.

PREISTRÄGER
Die Preise gingen an: Sarah Gilford (Sopran, UK) und Ewa Danilewska (Polen) - Erster Preis. Jessica Harper (Sopran, Australien) und Anna Alvizou (Griechenland) - Zweiter Preis, Theano Papadaki (Sopran, Griechenland) und Thomas Eeckhout (Niederlanden) - Dritter Preis. Der Sonderpreis des besten Pianisten ging an Daniel Silcock (Schottland). Sonderpreise: Publikumspreis an Jan-Henrik Witkowski und Doriana Tchakarova (Deutschland), Jaewon Jung und Eunshil Oh (Korea) sowie Jana Margová (Slowakei) und Grzegorz Biegas (Polen).