

Siegfried Ochs, geboren am 19. April 1858 in Frankfurt am Main, war ein deutscher Chorleiter, Komponistund Musikwissenschaftler – einer der wichtigsten Chorerzieher Deutschlands um 1900.Aus jüdischer Familie stammend, studierte er zunächst Medizin und Chemie am Polytechnikum in Darmstadt und Karlsruhe, brach aber ab, um sich ganz der Musik zu widmen. Er ging nach Berlin, wo er an der Hochschule für Musik (bei Ernst Rudorff und anderen) Komposition und Dirigieren lernte. 1882 gründete er den Philharmonischen Chor Berlin, den er bis zu seinem Tod leitete – er machte ihn zu einem der führenden Chöre Europas, mit Aufführungen von Bach, Händel, Beethoven, Brahms und zeitgenössischen Werken (u. a. Erstaufführungen von Max Reger und Richard Strauss).Als Komponist schuf Ochs Chorwerke, Lieder, Bearbeitungen und Orchesterstücke, darunter Variationen über ein deutsches Volkslied (1887), Chorsätze zu Bach-Kantaten und eigene geistliche Musik. Bekannter sind jedoch seine Bearbeitungen und seine editorische Tätigkeit: Er ergänzte und bearbeitete unvollendete Werke wie Bachs h-Moll-Messe (seine Version war lange Standard) und Händel-Oratorien. Sein Stil: solide, romantisch, chorfreundlich, mit Fokus auf Klarheit und Ausdruck.Ochs war auch Autor („Der deutsche Gesangverein“, Aufsätze) und Lehrer. Er starb am 6. Februar 1929 in Berlin (70-jährig). Sein Chor existiert bis heute als Philharmonischer Chor Berlin. Ochs gilt als Pionier der modernen Chorpraxis und Wiederbelebung alter Meisterwerke.