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Hohes künstlerisches Niveau und starke grenzüberschreitende Signale: III. Bolko-von-Hochberg-Liedwettbewerb erfolgreich abgeschlossen

Am Donnerstag, dem 4. Juni 2026 (Fronleichnam), fand das Finale des III. Lied-Wettbewerbs Bolko von Hochberg in Hirschberg (Jelenia Góra) statt. Es bildete den feierlichen Abschluss eines fünftägigen Events, das der Görlitzer Verein Ars Augusta e.V. unter der künstlerischen Leitung der griechisch-polnischen Sängerin Eleni Müller und des Tonmeisters Heinz Müller seit 2022 durchführt.

Der Wettbewerb ist eine Initiative, das kulturelle Erbe des bedeutenden Komponisten und Musikmäzens Bolko von Hochberg zu pflegen und die beiden Nachbarländer Deutschland und Polen durch die Kunst des Gesangs enger zusammenzubringen. Auch in diesem Jahr bestand die Jury sowie der größte Teil der teilnehmenden Musikerinnen und Musiker aus deutschen und polnischen Künstlern.

In der Jury saßen herausragende Persönlichkeiten Sachsens wie der renommierte Dresdner Liedpianist Prof. Alexander Schmalcz (Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig) sowie die Bautzener Sopranistin und Musikwissenschaftlerin Dr. Romy Donath (Leiterin des Museums der Romantik Dresden). Zum ersten Mal wirkte auch einer der bedeutendsten Sänger unserer Zeit mit: der Bass René Pape aus Dresden. Für das Halbfinale und Finale wirkte in der Jury eine regionale Koryphäe: Reinhard Seeliger, Dirigent und Kirchenmusiker aus Görlitz. Auf polnischer Seite nahmen Prof. Ewa Biegas (Sopran) und Prof. Grzegorz Biegas (Liedpianist) von der Akademie für Musik Karol Szymanowski in Katowice sowie der Dirigent und Kulturmanager Bartosz Zurakowski teil.

Die künstlerische Leiterin Eleni Müller legte bewusst großen Wert auf die Zusammenführung von Koryphäen aus dem sächsischen und schlesischen Kulturraum. Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit sieht sie als wichtige Voraussetzung, um die Herausforderungen der Grenzregion gemeinsam zu meistern. Kulturschaffende sind dabei die besten Botschafter und Inspiratoren.

Der Wettbewerb findet – in der Tradition vergleichbarer europäischer Wettbewerbe wie dem Hugo-Wolf-Wettbewerb in Stuttgart – alle zwei Jahre statt. Sein besonderes Merkmal, das kein anderer Wettbewerb weltweit aufweist: Er verbindet zwei Länder nicht nur in Jury und Teilnehmenden, sondern auch durch die Veranstaltungsorte. In diesem Jahr fanden die erste Runde im historischen Kaufhaus Görlitz und Semifinale sowie Finale in der Niederschlesischen Philharmonie Ludomir Różycki in Jelenia Góra statt.

Die Wahl der Orte erfolgte bewusst: Bolko von Hochberg war eng mit Görlitz verbunden – er gründete dort die Stadthalle, initiierte die Schlesischen Musikfeste und den Gesangsverein. Die ersten von ihm geleiteten Musikfeste fanden vor genau 150 Jahren in Hirschberg statt. Der Wettbewerb sollte die heutigen Bürgerinnen und Bürger der Grenzregion an dieses gemeinsame kulturelle Erbe erinnern und sie mit Hoffnung und Tatendrang in die Zukunft blicken lassen.



Das Projekt „Dritter Liedwettbewerb Bolko von Hochberg“ wurde in diesem Jahr von der Europäischen Union aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung im Rahmen des Kleinprojektfonds Polen–Sachsen 2021–2027 (INTERREG PL-SN) kofinanziert. Die Ziele des Projekts – Bürger, Kulturschaffende und Institutionen aus beiden Ländern zu einem hochwertigen kulturellen Ereignis zusammenzubringen und zu vernetzen – wurden voll erfüllt.

Während der fünf Tage besuchten insgesamt rund 350 Bürgerinnen und Bürger aus Polen und Deutschland die Darbietungen. Viele stimmten sogar für den Publikumspreis ab. Neben den Präsenzveranstaltungen im Kaufhaus Görlitz und in der Niederschlesischen Philharmonie stieß das Event auf reges Interesse in den digitalen Medien in Deutschland, Polen und weltweit. Die Website des Wettbewerbs verzeichnete in den drei Wochen vor und nach dem Event etwa 6.500 Besuche, vor allem aus Deutschland, gefolgt von Polen und anderen Ländern. Die Social-Media-Kanäle (Facebook, Instagram und YouTube) gewannen über 100-200 neue Follower.

Die teilnehmenden Duos stammten aus der ganzen Welt, der größte Teil jedoch aus Deutschland und Polen – vor allem Studierende renommierter Musikhochschulen und -akademien. Das künstlerische Niveau war durchweg sehr hoch. Alle Teilnehmer hatten sich hervorragend auf das anspruchsvolle Repertoire vorbereitet, das unter dem Motto „Geistliches Lied und Volkslied“ stand. Das Programm umfasste u. a. Brahms’ Vier Ernste Gesänge und Deutsche Volkslieder, Hugo Wolfs Italienisches Liederbuch, Mahlers Des Knaben Wunderhorn, sakrale Gesänge von Paweł Łukaszewski sowie die eigens für diesen Wettbewerb komponierten Drei Schlesischen Geistlichen Lieder von Hans Leenders. Weitere Werke von Dvořák, Ravel, Poulenc und Schubert wurden meisterhaft interpretiert. Der gesamte Ablauf des Wettbewerbs ist auf dem YouTube-Kanal des Wettbewerbs sowie auf der Website (in Bild und Ton) dokumentiert.


Die Preise wurden von engagierten Kulturstiftern aus der Region getragen. Die Erika-Simon-Stiftung stiftete den mit 6.000 € dotierten ersten Preis („Hedwig-Preis“), benannt nach der Patronin Schlesiens und Symbol der Versöhnung der beiden Nachbarvölker. Diesen gewann das herausragende Duo Bo Wang (Bass-Bariton, China) und Yuriko Watanabe (Klavier, Japan).



Der zweite Preis (4.000 €), gestiftet von der Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien, wurde aufgrund gleicher Punktzahl zwei Mal an zwei Duos vergeben: an Katharina Bierweiler (Mezzosopran) und Jyri Mishukov (Klavier) sowie an Lee-Suey May (Sopran, Malaysia) und ihren Partner aus Südafrika Gavin Liang May. Die Förderung des zweiten Preises wurde maßgeblich durch Anna-Mathilda Fischer aus Braunschweig, Nachfahrin der Komponistin Anna Teichmüller, ermöglicht, weshalb der Preis auch den Namen der Komponistin trägt. Das Duo See-Huey Tan und Gavin Liang May gewann auch den Publikumspreis.


Den Sonderpreis für den besten Liedpianisten erhielt einstimmig der 22-jährige russisch-israelische Pianist Artemiy Sokolovskiy. Das Duo der jungen rumänischen Sopranistin Iuliana Ioana zusammen mit Artemiy Sokolovskiy erreichte den vierten Platz und gewann den Sonderpreis des Museums der Romantik in Dresden (Konzert im Jahr 2027). Weitere Sonderpreise vergaben Eleni Müller und Bartosz Zurakowski u. a. an das Duo Wojciech Kowalski (Bass-Bariton) und Szymon Chorobiński (Klavier) aus Polen.



Das Kaufhaus Görlitz unterstützte den Wettbewerb nicht nur finanziell, sondern stellte seine Räumlichkeiten zur Verfügung. Mit seiner hervorragenden Akustik erwies sich das historische Kaufhaus als idealer Veranstaltungsort für die erste Runde.

Zum Erfolg des Wettbewerbs hat auch der Einsatz des neuen Konzertflügels der regionalen Pianomanufaktur August Förster beigetragen. Die Manufaktur lieferte für diesen Wettbewerb den neuen Konzertflügel Modell 275 Souverain, der von den Pianistinnen und Pianisten besonders gelobt wurde und den direkten Vergleich mit den Flügeln der Philharmonie in Jelenia Góra (Yamaha und Steinway) gewann.

Der Wettbewerb versteht sich auch als nachhaltige Förderung junger Talente. Für die kommenden Jahre sind Liederabende der Preisträger, Tonaufnahmen, Konzerte mit Juroren und Masterclasses in verschiedenen schönen Sälen Sachsens und Niederschlesiens geplant – alles im Zeichen des nahenden Schubert-Jahres 2028. Die vierte Ausgabe des Wettbewerbs findet vom 10. bis 15. Juni 2028 statt, die fünfte Ausgabe ist bereits für 2030 in der sanierten Stadthalle Görlitz vorgesehen.

Der Lied-Wettbewerb wirkt nachhaltig durch die Schaffung einer „Familie“ rund um den Gesang in der Grenzregion. Es hat sich bereits ein Freundeskreis „Bolko von Hochberg“ gebildet, der die Veranstaltungen besucht und unterstützt. Mit dem Erfolg der dritten Ausgabe wurde ein wichtiger Grundstein für die kulturelle Entwicklung der Region gelegt. Die binationalen Initiativen wecken internationales Interesse und lassen ein dauerhaftes grenzüberschreitendes Gesangsfestival erwarten. Der Verein Ars Augusta e.V. trifft nach dem Ziel institutionelle Förderung zu erhalten um die Kontinuität der Veranstaltung für die kommende Jahre zu gewährleisten sowie weitere gleichgesinnte Institutionen auf beiden Seiten der Neiße als Partner zu gewinnen.



 
 
 

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